Wirksamkeit
PROTECT steht für „Professioneller Umgang mit technischen Medien“. Unsere PROTECT-Projekte umfassen eine Serie von Interventionsstudien für Kinder und Jugendliche zur Prävention und Frühintervention bei problematischer Internetnutzung. Auch im therapeutischen Kontext werden PROTECT-Interventionen zur Behandlung von Online-Verhaltenssüchten (z. B. Gaming Disorder oder Social Media Disorder) eingesetzt und untersucht. Unsere PROTECT-Programme werden kontinuierlich weiterentwickelt, international adaptiert und in randomisiert-kontrollierten Studien systematisch evaluiert.
1. PROTECT-Präventionsstudie zur indizierten Prävention, 2015-2018
In einer randomisiert-kontrollierten Studie mit 422 Jugendlichen (12-18 Jahre) mit problematischer Internetnutzung, die mithilfe der Compulsive Internet Use Scale aus N = 5.549 Schüler:innen an 33 Schulen gescreent wurden, wurde das verhaltenstherapeutisch orientierte PROTECTtraining (4 × 90 Minuten; Link zur Intervention) untersucht. Das Training wurde von geschulten Psycholog:innen im Schulsetting durchgeführt und mit einer reinen Beobachtungskontrollgruppe verglichen. Nach 12 Monaten zeigte sich in der Interventionsgruppe eine signifikant stärkere Symptomreduktion.
Lindenberg et al., 2022
Publikation: doi:10.1001/jamanetworkopen.2021.48995
2. PROTECT+ Frühinterventionsstudie, 2016-2019
In einer einarmigen Interventionsstudie mit 54 Jugendlichen mit (sub)klinischer Symptomatik wurde das PROTECTtraining von Psychotherapeut:innen in Beratungsstellen durchgeführt. Nach 12 Monaten zeigten sich große Within-Group-Effektstärken hinsichtlich der Reduktion der Symptomatik, sowohl im Selbsturteil der Jugendlichen als auch im Fremdurteil durch die Eltern.
Szász-Janocha et al., 2020
Publikation: doi:10.1556/2006.2020.00089
3. PROTECTdissonanz, 2019
In einer Pilotstudie wurde eine dissonanzbasierte 1-Session-Intervention zur universellen Prävention problematischen Gamings bei 9- bis 11-jährigen Kindern im Schulsetting untersucht. Dabei zeigten sich kurzfristige kleine Effekte auf die Veränderung relevanter Einstellungen.
Lindenberg et al., 2020
Publikation: doi:10.1024/1422-4917/a000814
4. PROTECTconfirm, 2020-2025
In einer Studie an 44 Schulen mit N=1.793 Schüler:innen in Baden-Württemberg und angrenzenden Regionen wurde das verhaltenstherapeutisch orientierte PROTECTtraining mit dem parallelisierten Medienbildungsprogramm PROTECTinfo verglichen. Bei Jugendlichen mit problematischer Internetnutzung erzielte das verhaltenstherapeutisch orientierte Programm signifikant stärkere Effekte als das Medienbildungsprogramm.
Lindenberg et al., 2026, in press
5. PROTECTai
In einer randomisiert-kontrollierten Pilotstudie haben wir ein KI-gestütztes Chat-Coaching zur Unterstützung eines ausgewogenen Gebrauchs digitaler Medien (z. B. Internet, soziale Medien, Computerspiele) bei Studierenden untersucht. Die KI wurde dabei auf Grundlage einer modifizierten Version des PROTECTtrainings trainiert.
Link zur DRKS-Präregistrierung
PROTECT international
Seit vielen Jahren kooperieren wir mit internationalen Kolleg:innen bei der Übersetzung und kulturellen Adaptation von PROTECT. Das PROTECTtraining wurde bereits vielfach in Frankreich und Luxemburg durchgeführt. Auch Südkorea, Brasilien und Marokko wurde das PROTECTtraining kulturell adaptiert und im Rahmen von Pilotstudien evaluiert. Weitere Kooperationen bestehen aktuell mit Kolleg:innen in Polen, Chile, Argentinien, Indien, Vietnam, der Türkei und den USA.